Container Investments - platzt die Blase ? (19.08.2017)

Container - Direktinvestments sind bei Anlegern noch überaus beliebt.
Erst zu teuer eingekauft, dann zu niedrige Mieten? Vorwürfe gegen P & R werden laut.

MAGELLAN - Pleite weckt Zweifel am Erfolgsmodell von Container-Anlagen - Eigentümerstellung der Anleger birgt erhebliche Risiken - Erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten beim Branchenprimus P & R

 

"Sachwertanlagen", meist in Form geschlossene Fonds haben sich in den letzten Jahren immer mehr als Verlustgeschäft für Anleger herausgestellt. Nur etwa sechs Prozent der vom Magazin Finanztest ausgewerteten mehr als 1000 Fonds konnten ihre Renditeversprechen einhalten, vielfach kam es zum Totalverlust.

 

Krisenzeichen nach langem Boom

Während im Nachgang der Finanzkrise die Charterraten einbrachen und  ein Schifffonds nach dem anderen in die Insolvenz fiel, blieb die Anlageklasse der Containeranlagen davon scheinbar unbeeindruckt und versprach weiterhin satte Renditen. Ursprünglich noch als Geheimtipp gehandelt, konnten die größten Anbieter wie MAGELLAN, BUSS und P + R Milliarden an Anlegergeldern einsammeln. Gerade vor dem Hintergrund langjährig eingehaltener Renditeversprechen wurden sie den Anlegern vielfach als renditestarke und trotzdem sichere Kapitalanlage  angeboten. Nach der für viele überraschenden Insolvenz der MAGELLAN - Gruppe wächst die Sorge, dass es auch bei anderen großen Container Investment - Anbietern bald ein böses Erwachen bevorsteht.

 

Grundprinzipien der Container-Anlagen

Das Grundprinzip scheint jedenfalls in der Darstellung der Anbieter einfach: Der Anleger erwirbt, vermittelt durch den Anbieter idR (Teil-) Eigentum an einem Frachtcontainer. Über diese normierten (Schiffs-) Container wird  schon heute rund 70 % des weltweiten Warenverkehrs abgewickelt. Die hohen versprochenen Renditen sollen durch die langfristige Vermietung und späteren Verkauf der Container erwirtschaftet werden. Obwohl der Anleger idR rechtlicher Eigentümer "seines" Containers ist, muss er sich um diesen beim optimalen Lauf der Dinge nicht auseinandersetzen. Die Container sind meist gegen Diebstahl und Beschädigung versichert, die Vermietung übernimmt die Investmentgesellschaft und lange vor Ablauf der durchschnittlichen Lebensdauer von bis zu 15 Jahren sollen diese - jedenfalls gemäß Prognose - wieder rentabel verkauft werden. Insofern errechnet sich die Gesamtrendite aus den Faktoren Kaufpreis, den erzielbaren Mieteinnahme und aus dem Verkaufserlös. Je nach Konzeption sind zugunsten des Anlegers auch hohe Abschreibungen und eine Steuerfreiheit des Verkaufspreises eingeplant.

 

Keine sichere Kapitalanlage

Angesichts jahrelanger Erfolgsgeschichten vieler Anbieter wie BUSS, MAGELLAN und P & R in diesem Anlagebereich wurden Containerinvestments zuletzt immer mehr als sichere Anlage in einem extrem unsicheren Umfeld angepriesen. Hauptargument war dabei stets die schon im Zeitpunkt der Konzeption der Anlage regelmäßig bereits vereinbarten Mietverträge für die Laufzeit und optimistische Prognosen für die Weitervermietung bzw. den Verkauf der Container. Gerade im Fall eines Konjunktureinbruches drohen jedoch Probleme bei der Anschlussvermietung bzw. dem Weiterverkauf der Container. Wird die prognostizierte Miete oder der Kaufpreis nicht erreicht, kommt es zu empfindliche Einbußen bei der Rendite. Die größten Risiken für den Anleger ergeben sich aber gerade aus seiner von en Anbietern besonders angepriesenen Stellung als tatsächlicher Eigentümer eines Containers. Scheitert die Vermietung oder der Weiterverkauf des Containers, etwa wegen wirtschaftlichen Problemen der Containerinvestmentgesellschaft oder der Vertragspartner, kommen auf den einzelnen Anlege im schlimmsten Fall horrende Liege und Lagerkosten zu, die den Wert des Containers innerhalb kurzer Zeit übersteigen können. Gerade im Fall einer Krise der Investitionsgesellschaft hat der einzelne Anleger zudem kaum Möglichkeiten, den Container selbst wieder an den Mann zu bringen. Über den Kaufpreis hinaus haften die Anleger dann unter Umständen sogar unbegrenzt mit ihrem Privatvermögen.

 

"Blackbox" Containergeschäft

Gerade weil die Grundidee hinter den meisten Container Direktinvestments sehr plausibel und einfach klingt, gibt es von Insidern seit Jahren Hinwiese darauf, dass es hinter den Hochglanzfassaden der Anbietergesellschaften zu Unregelmäßigkeiten kommt.   So taucht immer wieder der Vorwurf auf, dass die tatsächliche Zahl der weltweiten Container und deren Zuordnung nur schwer unabhängig überprüfbar sei, einzelne Container gleich mehrfach oder nichtexistente "Phantomcontainer" gehandelt würden.  Lange Zeit blieb das Geschäftsmodell der einzelnen Anbieter intransparent - auch weil diese im Bereich des Grauen Kapitalmarktes als Direktinvestments kaum reguliert waren. Seit der Einführung des KAG im Jahr 2015 muss für jedes neue Angebot ein Verkaufsprospekt veröffentlicht werden. Als eines der ersten großen Container Direktinvestment - Anbieter veröffentlichte die P & R Anfang 2017 einen Verkaufsprospekt.

 

Undurchsichtige Bilanzen bei P & R

Seit der Pleite der MAGELLAN - Fonds im Jahr 2017 müssen auch die anderen Anbieter kritisch betrachtet werden. Entgegen derer Verlautbarungen erscheint es unwahrscheinlich, dass diese gerade nicht von Einbrüchen am Chartermarkt und von Überkapazitäten auf dem Containermarkt betroffen sind. Erst vor wenigen Wochen wies die Zeitung Finanztest zudem auf Auffälligkeiten in den Bilanzen des Pranchenprimus P & R hin. Im konkreten Fall werden die Container nicht von der deutschen P & R - Gesellschaft selbst, sondern von der in der Schweiz registrierten P & R Equipment & Finance Corp. vermietet. Deren Bilanz weist gegenüber den deutschen Gesellschaften der P & R - Gruppe ein enormes Minus von mehr als 900 Millionen EUR aus. RA Stefan Forster von der Münchner Kanzlei Lachmair: "Aus unserer Sicht deutet dies darauf hin, dass die P & R Equipment & Finance Corp.wohl seit längerer Zeit weniger Endmieten erwirtschaftet, als an die Anleger bezahlt werden. Dies kann auf Dauer nicht gut gehen." Hinzu kommt der Vorwurf eines Analysten, wonach die Container zu einem wesentlich überhöhten Kaufpreis an die einzelnen Anleger verkauft wurden. Zumindest sehr ungewöhnlich erscheint in diesem Zusammenhang auch, dass der Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers in den Bilanzen der deutschen P & R - Gesellschaften jeweils eine Einschränkung enthält, was in der Praxis nur sehr selten vorkommt. Wie sein Kollege rät auch RA Moritz Schmidt deshalb zur Vorsicht: "Aus unserer Sicht häufen sich die Hinweise, dass es nach der Pleite der MAGELLAN zu weiteren schweren Verwerfungen am Markt der Container-Anlagen kommen wird. Betroffene Anlegern raten wir deshalb dazu, frühzeitig das eigene Container-Portfolio prüfen zu lassen."

 

Betroffenen Anlegern wird dringend empfohlen, sich in dieser Sache qualifizierten und unabhängig beraten zu lassen. Mit Rechtsanwalt Moritz Schmidt und Rechtsanwalt Stefan Forster stehen zwei auf die Vertretung von Kapitalanlegern spezialisierte Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht zur Verfügung, die sich in den letzten Jahren wesentlich um die Aufklärung von Großschadensfällen und Kapitalanlagebetrug verdient gemacht haben.

Kostenlose Erstberatung: Fachanwälte   Moritz SchmidtStefan Forster