Proven Oil Canada vor dem Aus - Schlechte Aussichten nach Gesellschafterversammlungen!

München, 03.09.2015: Nach sechs turbulenten Gesellschafterversammlungen in Berlin ist klar, dass sich die Situation der betroffenen POC-Fonds noch schlechter darstellt, als bislang mitgeteilt. Noch kurz vor den Versammlungen hatte die kanadische COGI Limited Partnership am 28.08.2015 die Durchführung eines sog. CCAA (Companies‘ Creditors Arrangement Act) - Verfahrens eingeleitet. Hierbei handelt es sich um ein Insolvenzverfahren, ähnlich dem deutschen Insolvenzplanverfahren, welches eine Restrukturierung der betroffenen Gesellschaft im Einvernehmen mit deren Gläubigern ermöglichen soll. Durch diesen Schritt wollten die Anwälte der COGI offenbar einen unmittelbar drohenden Notverkauf der Öl- und Gasassets durch die Bank verhindern. Der Plan der POC, an die COGI LP ein Unterstützungsdarlehen aus den von den Anlegern zurückgeforderten Ausschüttungen vergeben zu dürfen, steht nach den Ereignissen der letzten Woche jedoch auf dem Spiel. Zum einen hat bislang nur rund ein Drittel der Anleger die erhaltenen Ausschüttungen zurückgezahlt, zum anderen lehnten die Gesellschafter mehrerer größerer Fonds die Darlehensvergabe ab. Damit droht bereits Ende September die Verwertung der restlichen Öl- und Gasassets der COGI LP. Ob dies zur Tilgung der Gläubigerforderungen von mehr als 46 Millionen CAD (rund 32 Millionen Euro) aussreicht, blieb völlig offen.

Marathonverantaltung der POC-Fonds in Berlin

Die Erschöpfung war allen Teilnehmern anzusehen, als am spätesten Donnerstagabend die letzte von sechs Gesellschafterversammlungen der POC-Gruppe zu Ende ist. Die Kapitalmarktkanzlei Lachmair & Kollegen vertritt bereits eine große Zahl an POC-Anlegern. Die Rechtsanwälte Stefan Forster und Moritz Schmidt nahmen von Dienstag bis Donnerstag bei allen sechs betroffenen Fonds (POC Eins, POC Zwei, POC Growth 1, POC Growth 2, POC Growth 3 Plus und POC Natural Gas 1) die Vertretung von Gesellschaftern wahr. An den einzelnen Gesellschafterversammlungen im Hollywood Media Hotel nahmen teilweise mehrere hundert Gesellschafter teil.

Flucht ins CCAA - Verfahren angesichts eines "fire-sale"

Die POC-Gesellschaften erhofften sich von ihren Gesellschaftern jeweils die Befugnis, aus den von den Gesellschaftern zurückgeforderten Vorabausschüttungen die von der Insolvenz bedrohte COGI LP mittels Darlehen stützen zu dürfen. Von den Vertretern der COGI und der POC-Gesellschaften wurde denn auch großer Druck auf die Anwesenden ausgeübt und insbesondere auf das wenige Tage vorher eingeleitet CCAA - Verfahren hingewiesen. Nach der Erlaubnis durch die Gesellschafter sollten die POC-Gesellschaften nach den Vorstellungen der kanadischen Anwälte der finanzierenden Bank unverzüglich ein möglichst großes Darlehen an die COGI LP in Aussicht stellen, um so den drohenden Notverkauf („fire-Sale“) der verbliebenen Öl- und Gasassets noch verhindern zu können. Demnach hat die COGI LP derzeit rund 34 Millionen CAD (rund 23 Millionen EUR) Darlehensschulden bei der Bank. Hinzu kommen noch ca. 12,5 Millionen CAD (rund 8,45 Millionen EUR) an Forderungen von nachrangigen Gläubigern. Die resultierenden 46,5 Millionen CAD entsprechen derzeit etwa 31 Millionen EUR. Der Wertverfall der Öl- und Gasassets wurde fast ausschließlich mit dem historisch niedrigen Ölpreis begründet, dabei jedoch kaum auf den unklaren Verblieb der ursprünglich mehr als 300 Millionen EUR an Anlegergeldern eingegangen.

Auf Nachfrage der Kanzlei Lachmair & Kollegen mussten die Verantwortlichen einräumen, dass im Fall eines sog. „fire-sales“, also des kurzfristigen Verkaufs der Assets durch die Bank, derzeit nicht einmal ein Erlös in Höhe der bestehenden Forderungen gegen die COGI LP gewährleistet sei. Nach den Vorstellungen der POC-Vertreter sollten die Gesellschafter deshalb schnellstmöglich die Ausschüttungen zurückzahlen und ihren POC-Gesellschaften die Möglichkeit zur Darlehensgewährung an die COGI LP einräumen.Nach dem erhofften Aufschub eines Notverkaufs könnten die Öl- und Gasassets dann nach einem erhofften Wiederanstieg des Ölpreises irgendwann in der Zukunft wieder wirtschaftlich arbeiten bzw. zu einem besseren Preis verwertet werden.

Kaum nachprüfbaren Angaben zu tatsächlich noch vorhandenen Öl- und Gas-Assets

Bereits im Rahmen der ersten Gesellschafterversammlungen zeigten die zahlreichen Anleger und Anlegervertreter, dass sie dem Vorschlag der POC-Verantwortlichen nicht ohne weiteres folgen wollten. Vehement wurden immer wieder verlässliche und vor allem nachprüfbare Angaben zu den tatsächlich noch vorhandenen Öl- und Gasassets gefordert – die Verantwortlichen von POC und COGI konnten auch am Ende der drei Tage keinerlei verlässliche Zahlen nennen. Selbst die von den POC-Gesellschaften in der letzten Zeit verbreiteten Werte in der Größenordnung von 75 Millionen CAD (rund 50 Millionen EUR) bis 130 Millionen CAD (rund 87,5 Millionen EUR) konnten sich die Verantwortlichen nicht festlegen. Für den Fall eines „fire-sale“ im aktuellen Marktumfeld droht jedenfalls ein Verkaufserlös noch unterhalb der bestehenden Verbindlichkeiten von rund 46,5 Millionen CAD (rund 31 Million EUR).

Rechtsanwalt Stefan Forster von der Kanzlei Lachmair & Kollegen wies mehrfach auf die Bedeutung von nachprüfbaren Zahlen für die Entscheidung der Anleger hin: „Trotz wiederholter Nachfragen gibt es keinerlei Angaben zum Wert der noch vorhandenen Öl- und Gas-Assets bzw. zur bisherigen Verwendung der Anlegergelder durch die COGI LP und die POC-Fonds. Nach wie vor sind die entscheidenden Jahresabschlüsse der Gesellschaften nicht veröffentlicht. Nach unseren Informationen wurde ein großer Teil der Assets bereits zur Tilgung des von der COGI LP aufgenommenen Darlehens verkauft, die letzten Felder erst kurz vor der Gesellschafterversammlung.

Aktuell scheint der Wert nicht einmal zur Tilgung der Verbindlichkeiten der COGI LP auszureichen. Es ist für mich deshalb nicht ersichtlich, ob nach einer Tilgung der Verbindlichkeiten überhaupt noch Öl- und Gas-Assets mit ausreichend Potential vorhanden sind. Denn auch nach einem derzeit nicht absehbaren massiven Anstieg des Ölpreises müssten die dann noch vorhandenen Öl- und Gasfelder der COGI LP genügend Rendite zur Rückzahlung von ca. 305 Millionen EUR an Anlegergeldern erwirtschaften können. Außer vom Ölpreis hängt dies in erster Linie von der Qualität und dem (Förder-)Potential der noch verbliebenen Öl- und Gasfelder ab. Schließlich hatten die POC-Fonds anscheinend schon vor der umstrittenen Zusammenlegung im Jahr 2013 Probleme, ausreichend Gewinn zu erwirtschaften – und dies bei einem extrem hohen Ölpreis. “

Drohende Rückforderung von Ausschüttungen durch Insolvenzverwalter

Die Vertreter der POC und der COGI wollten von einem Abschmelzen der Öl- und Gas-Assets hingegen nichts wissen und führten die aktuellen Probleme fast ausschließlich auf den niedrigen Ölpreis zurück. Für die Verweigerung der Zustimmung zur Darlehensgewährung an die COGI LP wurde ein Totalverlust nicht mehr ausgeschlossen und eine drohende Rückforderung aller Auszahlungen durch einen Insolvenzverwalter in Aussicht gestellt. Dies wurde insbesondere von anwesenden Anwälten in Zweifel gezogen: „ Nach meiner persönlich Ansicht kann nicht ohne weiteres angenommen werden, dass ein kanadischer Insolvenzverwalter ohne weiteres auf die in Deutschland ausgezahlten Ausschüttungen zugreifen kann. Bei wirtschaftlicher Betrachtung erscheint es zudem unwahrscheinlich, dass bei derzeitigen Verbindlichkeiten von umgerechnet rund 31 Millionen EUR noch eine größere Unterdeckung verbleibt, sollten die noch vorhandenen Öl- und Gas-Assets noch einen einigermaßen substantiellen Wert haben. In einem solchen Fall dürfte den Anlegern wenigstens ein Teil der Vorabausschüttungen verbleiben“, so Rechtsanwalt Moritz Schmidt von der Kanzlei Lachmair & Kollegen.

Weiterhin hohe Kosten für Geschäftsführung der POC-Fonds

Neben den fehlenden Angaben zu den bislang erfolgten Investitionen und den tatsächlich noch vorhandenen Öl- und Gas-Assets wurden die Managementkosten der POC-Gesellschaften und der COGI als zu hoch kritisiert. So ist davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der von den Anlegern zurückgeforderten Vorabauszahlungen umgehend zur weiteren Finanzierung des Geschäftsbetriebs der POC-Gesellschaften verbraucht werden wird.

Umsetzung des Rettungskonzepts nach teilweiser Ablehnung unsicher

Auf der Grundlage der nur unvollständigen Informationen war die Entscheidung für oder gegen die Vorschläge der POC-Geschäftsführung für die meisten Gesellschafter äußerst schwierig. Nach drei Tagen und intensiven Versammlungen ist die Bilanz denn auch nicht eindeutig. Nur bei einem Teil der Fonds stimmten die Gesellschafter der Vergabe von Darlehenskapital an die kanadische COGI LP zu, bei den anderen gab es keine Zustimmung. Da bislang nur rund ein Drittel der Anleger die im Jahr 2013 erhaltenen Ausschüttungen freiwillig zurückgezahlt hat, sind die Auswirkungen auf das laufende CCAA-Verfahren in Kanada derzeit nicht absehbar. Ein Verlust allen eingezahlten Kapitals ist derzeit nicht unwahrscheinlich.  Rechtsanwalt Stefan Forster: „Wegen der fehlenden verlässlichen Informationen zu den  Öl- und Gasassets in Kanada ist derzeit nicht ersichtlich, ob nach Tilgung der Schulden überhaupt noch eine nennenswerte Wirtschaftsgrundlage verbleibt. Schließlich soll damit noch der Größte Teil des Anlegerkapitals von mehr als 300 Millionen Euro zur Rückzahlung erwirtschaftet werden. Ein Totalverlust ist damit nicht auszuschließen."

Betroffenen Anlegern wird dringend empfohlen, sich in dieser Sache von qualifizierten und unabhängigen Anlegeranwälten beraten zu lassen. Mit Rechtsanwalt Stefan Forster und Rechtsanwalt Moritz Schmidt stehen zwei auf die Vertretung von Fondsanlegern spezialisierte Anlegeranwälte zur Verfügung, die sich in den letzten Monaten wesentlich um die Aufklärung der Machenschaften der dima24.de verdient gemacht haben und mittlerweile mehrere hundert betroffene Anleger vertreten.
 
Kostenlose Erstberatung:   forster@ra-lachmair.de, schmidt@ra-lachmair.de