NCI New Capital Invest – ein neues Anlegerdesaster? (07.10.2013)

Verschachtelte Investmentstruktur – Absichtserklärungen statt Tatsachen – hohe Kosten – Blind-Pool statt Anlage in Rohstoffe.

In Zeiten weltweit steigenden Energiebedarfs lockt die NCI New Capital Invest USA 19 GmbH & Co. KG mit einer scheinbar verlockenden Investition in die Förderung von Öl- und Gasvorkommen vor allem im nordamerikanischen Raum. Mittels neuester Bohrtechnologie solle auch die Ausbeute älterer Vorkommen rentabel sein und den Anlegern hohe zweistellige Renditen sichern. Die Hemmschwelle für die Beteiligung an den sprudelnden Gewinnen der Ölmultis ist bei einer kurzen Laufzeit von 36 Monaten, 15.000,-- Mindesteinlage und konzeptgemäßer Steuerfreiheit bewusst niedrig gehalten. Ein sogenanntes Investmentupdate suggeriert dabei, dass in Texas tatsächlich erfahrene Ölbarone daran seien, sprudelnde Ölquellen für die Investoren zu erschließen.

Doch der Weg von der Beteiligung an der Nymphenburger GmbH & Co. KG bis ins staubige Texas ist weit, undurchsichtig und ungewiss. Denn keinesfalls investiert der Anleger direkt in die konkrete Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen.

Im Rahmen eines Treuhandverhältnisses erwirbt die NVT Nymphenburger Beteiligungs- und Verwaltungstreuhand GmbH & Co. KG eine Beteiligung an der NCI New Capital Invest USA 19 GmbH & Co. KG („Emittentin“). Nach Abzug der hohen Fondskosten werden die verbliebenen Nettoeinnahmen im Rahmen einer atypischen stillen Gesellschaft zu einem Teil in die NCI New Capital Invest Oil & Gas GmbH investiert, zu einem anderen Teil in eine sogenannte Liquiditätsreserve. Damit wird der Anteil des tatsächlich investierten Betrags wiederum deutlich vermindert. Rechtlich steht damit der stillen Gesellschafterin ein Anteil am erzielten Gewinn zu – falls ein solcher denn erzielt werden kann. Das soll so passieren, dass sie als sogenannter Limited Partner den gesamten Kapitalanteil an einer Stratus Oil LP in Texas stellt – und darauf hofft, dass die Stratus Oil Management LLC, die selbst kein Eigenkapital gibt, das zur Verfügung gestellte Geld richtig investiert. Allerdings sind Kontrollrechte eines Limited Partners, wie schon die eines stillen Gesellschafters, sehr gering bis nicht vorhanden. Zu dieser Frage ist der Prospekt weitaus weniger konkret, als es Emittentin und Vertriebsgesellschaft in den von Ihnen verbreiteten Presseartikeln und Investmentupdates bildhaft beschreiben.

So „plant“ die Stratus Oil & Gas USA 19 GmbH in den USA und weltweit ( also überall), ganz oder teilweise, direkt oder indirekt, Öl-, Gas- oder (andere) Mineralexplorations- oder Mineralgewinnungsrechte, z.B. in Form von Land, Bohrrechten oder Rechten an bestehenden explorierten Quellen/Minen zu erwerben. Mit einem auch nur hinreichend konkreten Geschäftsmodell oder Businessplan, noch dazu mittels angeblich einzigartiger Bohrtechnologie hat dies nichts zu tun. Letztlich kann nach dieser Konzeption die Stratus Oil Management LLC mit den Geldern der Anleger verfahren, wie sie möchte. Die Gelder der Anleger müssen nicht einmal konkret investiert werden, solange die die Stratus Oil LP ein Vorhaben wenigstens „plant“.

Ein typischer „Blindpool“ also – der Anleger zahlt ein, ohne überhaupt zu wissen, wie sein Geld investiert werden wird. Die verschachtelte Beteiligungskonstruktion führt zudem dazu, dass die NCI New Capital Invest USA 19 GmbH & Co. KG als Emittentin praktisch die gesamte Verantwortung für die eingesammelten Gelder abgibt. Die zweite unmittelbare Folge dieser umständlichen Beteiligungskaskade ist, dass mit jeder zusätzlichen Beteiligungsebene neue „weiche Kosten“ entstehen und letztlich kaum noch nachprüfbar ist, wieviel Geld tatsächlich einmal in die Erschließung neuer Öl- und Gasquellen fließt – prospektkonforme Abwicklung einmal vorausgesetzt.

Bei einer solchen Betrachtung erscheint es zweifelhaft, ob es jemals zu einer Ausschüttung „echter“ Gewinne aus irgendwelchen Öl- und Gasgeschäften kommen kann. Die Konstruktion schließt auch nicht aus, dass die hohen (Vorab-) Ausschüttungen lediglich aus den eingesammelten Geldern der Treuhandgeber getätigt werden, zumal der Investmentzeitraum deutlich länger angesetzt ist als die 36 Monate Mindestlaufzeit der NCI USA 19 Beteiligung.

Große Gefahr für das Geld der Anleger besteht auch durch die Gefahr des Interessenkonflikts zwischen den Vertriebsgesellschaften der Dima 24 Gruppe und der NCI New Capital Invest USA 19 GmbH & Co. KG als Emittentin. Die Dima 24 vertreibt diverse geschlossene Fonds, darunter auch die Rohstofffonds der NCI New Capital Invest Gruppe, hauptsächlich im Direktvertrieb über Internet und Telefon. „Seit mehr als 12 Jahren schauen wir hinter die Kulissen Geschlossener Fonds und liefern Ihnen Hintergrund-Informationen, die für Ihre Anlageentscheidung unverzichtbar sind“, preist sich die Vertriebsgesellschaft selbst.

Im Fall der verschiedenen NCI New Capital Invest Fonds scheint die Dima 24 tatsächlich einen guten Blick hinter die Kulissen zu haben – jedoch erscheint es sehr fraglich, ob dieser im Interesse einer anleger- und objektgerechten Beratung stattfindet. Ein Blick ins Handelsregister offenbart unglaubliches – nahezu alle Teilgesellschaften der New Capital Invest werden vom selben Mann kontrolliert, Herrn Malte Hartwieg, wiederum langjähriger Eigentümer der Dima 24. Über seine Firma Nitro Invest kontrolliert er seine Gesellschaften NCI Holding, NCI Service, NCI Gold Direct Management und eben die NCI Management GmbH. Seit August 2013 fungiert der gelernte Maurer Malte Hartwieg auch offiziell als Geschäftsführer dieser Gesellschaften.

Vor diesem Hintergrund halten wir äußerste Vorsicht für angebracht. Wenn Sie bereits gezeichnet haben Ihre Beteiligung einer rechtlichen Prüfung unterziehen wollen, steht Ihnen Rechtsanwalt Stefan Forster gerne zur Verfügung.

Kostenlose Erstberatung: forster@ra-lachmair.de