EURO GRUNDINVEST - Recherchen auf Mallorca (31.08.2015)

Verbleib von rund 100 Millionen EUR an Anlegergeldern unklar - Recherchen der Kanzlei Lachmair auf Mallorca und in München - Bislang kaum Bauprojekte fertiggestellt

Ein Jahr nach dem angeblichen Verkauf der EURO GRUNDINVEST ist der Verbleib des größten Teils der Anlegergelder unklar. Obwohl die meisten EURO GRUNDINVEST - Fonds mit Investitionen in "München und Umgebung" und "Stadtentwicklung München" um Anlegergelder geworben haben, kann der Geschäftsführer Sven Donhuysen nur auf drei gebaute Immobilien verweisen. Selbst auf Grundlage der von den Initiatoren selbst verbreiteten Zahlen dürfte sich ein geschätztes Objektvolumen von weniger als 20 Millionen EUR ergeben. Dem stehen vermutlich bis zu 100 Millionen EUR an Anlegergeldern gegenüber, die der Initiator Malte Hartwieg seit 2011 im Rahmen der verschiedenen EURO GRUNDINVEST - Fonds eingesammelt hat.Unklar ist, wieviel Anlegergeld aus Fonds wie dem Selfmade Capital 8 auf die Baearen umgeleitet wurde. Im Sommer 2015 haben RA Stefan Forster und RA Moritz Schmidt von der Kapitalmarktkanzlei Lachmair & Kollegen deshalb die drei Immobilienprojekte der EURO GRUNDINVEST auf Mallorca ausfindig gemacht.

Ursprünglich sollte nur der EURO GRUNDINVEST 20 - Fonds die angestrebten 10 Millionen Fondsvolumen auf Malte Hartwiegs Lieblingsinsel investieren. Nachdem RA Stefan Forster im Frühjahr 2014 aufgedeckt hatte, dass es im Rahmen des Selfmade Capital 8 - Fonds nie zu Investitionen in ein Hotelprojekt auf der Karibikinsel St. Lucia gekommen war, verkündete auch diese Fondsgeschäftsführung die Investition in das eigentlich der EURO GRUNDINVEST zuzurechnende Projekt PORTALS HILLS. Neben dem Hotelprojekt in Portals Nous sollen noch zwei Villenprojekte in Puerto Andratx zum Portfolio der EURO GRUNDINVEST auf Mallorca gehören.

RA Forster vor Portals Hills - Hotel in Portals Nous     Lage der Villen über Puerto Andratx

Das Projekt Portals Hills Boutique Hotel liegt ca. 25 Minuten südwestlich von Palma im kleinen Ort Portals Nous. Etwas weiter vom Meer entfernt wurde das Hotel anstelle eines älteren Hotels in Hanglage mit Blick auf den Yachthafen von Portals Nous errichtet. Wenige Kilometer südlich beginnen die Strände der englischen Partyhochburg Magaluv an. Das Projekt ist als sogenanntes Condo-Hotel im absoluten Luxussegment konzipiert. Die 30 Suiten des Hotels (von der 40 qm Deluxe-Suite bis zum 221 qm Penthouse im Fendi-Design) sollen für Preise ab 525.000,-- Euro an betuchte Investoren verkauft werden. Die Eigentümer können das Hotel dann an 60 Tagen selbst nutzen, an den restlichen Tagen sollen die Zimmer zu Preisen ab 495,-- Euro in der Hochsaison an zahlungskräftige Hotelgäste vermietet werden. Gemäß Konzept sollen den Eigentümern 50 % der Einnahmen aus der Vermietung zustehen. Beim Besuch des Hotels im August 2015 präsentierte sich das Hotel auf Hochglanz poliert. Das Hotel scheint weitestgehend den auf der Homepage veröffentlichten Bildern zu entsprechen, auch wenn die Anlage vor Ort schon wegen der anderen Perspektive relativ klein erscheint. Bereits beim Eintreffen werden potentielle Käufer und Hotelgäste in der Lobby freundlich empfangen und nicht aus den Augen gelassen. Während des kurzen Aufenthaltes hielten sich um den kleinen Hotelpool herum mehrere Hotelgäste auf, das ebenfalls exklusiv aufgezogene Restaurant hatte am Vormittag noch nicht geöffnet. Beim Verlassen des Hotels fuhr unter anderem ein weißer Maserati eines Mietwagenunternehmens vor. Beurteilung: aus den Mitteilungen der EURO GRUNDINVEST geht hervor, dass die Anleger über die Fertigstellung hinaus bis zum Verkauf des Projektes am Risiko beteiligt sind. Derzeit bemühen sich die Verantwortlichen offenbar sehr darum, das Portals Hills Boutique – Hotel als neue Luxusadresse in Mallorca zu platzieren. In Palma finden sich großflächige Plakatanzeigen, in Deutschland gab es entsprechende Berichte u.a. in der Abendzeitung. Dabei ist völlig klar, dass das Konzept der Betreiber nur aufgehen kann, wenn sich das Portals Hills - Hotel nachhaltig und glaubhaft als exklusive Herberge für eine sehr wohlhabende Klientel positionieren kann. Tauchen daran nur geringe Zweifel auf, dürften sich wenige Investoren finden, die bereit sind, für den Preis einer Münchener Neubauwohnug in ein größeres Hotelzimmer zu investieren oder als Hotelgäste fast 500 Euro für eine Übernachtung auszugeben. Rechtsanwalt Stefan Forster von der Kanzlei Lachmair & Kollegen: „Bislang lässt sich nicht seriös abschätzen, ob das gewagte Konzept hinter dem Condo-Hotel Portals Hills aufgeht. Die letzten Informationen der EURO GRUNDINVEST bestätigen jedenfalls noch keine Verkäufe von Suiten. Selbst nach der Fertigstellung des Hotels kann deshalb auch die Möglichkeit des Totalverlustes der Anlegergelder nicht ausgeschlossen werden, zumal die Verantwortlichen noch keinerlei Zuordnung der investierten Gelder zu den einzelnen Fonds vorgenommen haben.“

Villa Sunset Rock     RA Schmidt besichtigt Rohbau der Villa Sunset Rock     Pool der Villa Sunset Rock in Puerto Andratx

Die beiden Villenprojekte befinden an einem Hang hoch über der Bucht des malerischen Puerto Andratx. Bereits seit mehreren Jahren entsteht dort in relativ dichter Bebauung und einiger Entfernung zum tiefer gelegenen Hauptort ein ganzes Villenviertel. Die Villa Bellevue Mar befindet sich nach Angaben der EURO GRUNDINVEST seit Januar 2015 im Verkauf. Die nur 500 m entfernt liegende Villa Sunset Rock befindet sich noch im Bau. Obwohl dies aus den Bildern der Baustelle so nicht ersichtlich ist, soll die Fertigstellung noch im Herbst 2015 geschehen. Für den Verkauf der Villa zeichnet sich die Finest Selection Real Estate Group mit dem Managing Director Luis Heymann verantwortlich. Diese setzt einen Verkaufspreis von stolzen 7,9 Millionen Euro an. Für die noch im Bau befindliche Villa Sunset Rock sind 7,25 Millionen Euro angesetzt. Wie schon beim Projekt Portals Hills scheint auch bei den beiden Villen die Bauphase weitestgehend abgeschlossen zu sein. Auch hier liegen die Risiken letztlich im erfolgreichen Abverkauf der beiden Villen. Recherchen bei anderen in unmittelbarer Nachbarschaft tätigen Maklern ergaben, dass die Nachfrage nach Villen in Puerto Andratx durchaus nicht ungebrochen ist.

Einige Objekte stehen seit längerem zum Verkauf, teilweise mussten die anvisierten Verkaufspreise deutlich reduziert werden. Eine Garantie dafür, dass die beiden Villen tatsächlich mit mehr als 15 Millionen Euro zu bewerten wären, kann es deshalb nicht geben. Rechtsanwalt Moritz Schmidt von der Kanzlei Lachmair & Kollegen bleibt deshalb vorsichtig:„Unsere Recherchen vor Ort haben bestätigt, dass die beiden Villen in Puerto Andratx tatsächlich existieren und zum Verkauf stehen. Einem Teil der nach Mallorca geflossenen Anlegergelder dürften somit reale Werte gegenüberstehen. Ob dies am Ende für die Rückzahlung der Anlegerbeiträge ausreicht, ist allerdings noch völlig offen.“

Obwohl die Immobilienprojekte auf Mallorca tatsächlich existieren, lassen sich daraus kaum Rückschlüsse auf die Situation der EURO GRUNDINVEST – Gruppe oder gar der einzelnen Fonds ziehen. Während der großen Menge an eingesammelten Anlegerkapital in Deutschland nur wenige fertiggestellte Objekte gegenüberstehen, ist es derzeit kaum möglich, den tatsächlichen Wert der Objekte auf Mallorca zu bestimmen. Zudem sagt das bloße Vorhandensein der Immobilien sowohl in München als auch in Spanien nichts darüber aus, ob die jeweiligen Objektgesellschaften am Ende tatsächlich wirtschaftlich erfolgreich waren oder nicht. Durch Verzögerung und Baumängel kann auch ein bereits fertiggestelltes Gebäude für die Objektgesellschaft zum Minusgeschäft geworden sein. Ausschlaggebend ist jedoch, dass derzeit keine einwandfreie Zuordnung der einzelnen Immobilien zu den einzelnen Fonds möglich erscheint. Insbesondere bei den spanischen Objekten ist unklar, ob diese nur mit Geldern des EURO GRUNDINVEST 20 – Fonds errichtet wurden, oder ob noch Gelder aus den anderen Fonds der EURO GRUNDINVEST bzw. aus dem Selfmade Capital 8 – Fonds in die Projekte eingeflossen sind.

„Aus meiner persönlichen Sicht deutet vieles darauf hin, dass die EURO GRUNDINVEST – Gruppe längst mit der Abwicklung des Geschäfts begonnen hat. Einst verheißungsvoll angepriesene Projekte wie das RÖMER 22 und das NYMPHENBURG-PALAIS wurden durch den Verkauf der Grundstücke schon vor Monaten beerdigt, neue finden sich nicht mehr in der Pipeline. Bei den fertiggestellen Projekten, insbesondere auf Mallorca ist zum großen Teil noch offen, ob diese genügend Rendite für die Rückzahlung der Anlegerbeiträge erwirtschaften“, so Rechtsanwalt Stefan Forster von der Münchner Kanzlei Lachmair und Kollegen. „Völlig unklar ist bislang auch, ob die in Liechtenstein aufgefundenen Vermögenswerte letztlich noch der EURO GRUNDINVEST selbst zuzurechnen sind. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die EURO GRUNDINVEST das Anlegerkapital wie prospektiert zurückzahlen kann. Betroffene Anleger sollten deshalb auf jeden Fall die Möglichkeit einer Schadensersatzklage prüfen lassen.

Betroffenen Anlegern wird dringend empfohlen, sich in dieser Sache von qualifizierten und unabhängigen Anlegeranwälten beraten zu lassen. Mit Rechtsanwalt Stefan Forster und Rechtsanwalt Moritz Schmidt stehen zwei auf die Vertretung von Fondsanlegern spezialisierte Anlegeranwälte zur Verfügung, die sich in den letzten Monaten wesentlich um die Aufklärung der Machenschaften der dima24.de verdient gemacht haben und mittlerweile mehr als fünfhundert betroffene Anleger vertreten. In den letzten Monaten konnten regelmäßig rechtskräftige Urteile gegen Fondsgesellschaften, Vertrieb und Hintermänner der betroffenen Fonds erstritten werden.

Kostenlose Erstberatung: forster@ra-lachmair.de schmidt@ra-lachmair.de