EURO GRUNDINVEST Geschäftsführung scheitert mit Anträgen auf Gesellschafterversammlung (01.08.2016)

EGI - Geschäftsführung fällt mit Sanierungskonzept durch - Bericht der KRG offenbart Verlust eines großen Teils des Anlegerkapitals - Rückzahlung an Anleger völlig offen - Schadensersatzansprüche der Anleger

 

Fast zwei Wochen nach den Gesellschafterversammlungen der EURO GRUNDINVEST – Fonds am 21. Juli 2016 in Freising steht fest, dass die Anleger die Anträge des aktuellen Managements abgelehnt haben. Die Anleger der EGI – Fonds 15, 17, 18 und 20 stimmten mit großer Mehrheit gegen die Einsetzung neuer Komplementär- und Treuhandgesellschaften und gegen die sofortige Liquidierung der Fondsgesellschaften. Damit liegt es weiter an der aktuellen Geschäftsführung um Sven Donhuysen und der mit der Sanierung beauftragten KRG KNOLL RESTRUCTURING GROUP GmbH (KGR), den Anlegern ein seriöses und auf belastbaren Zahlen beruhendes Sanierungskonzept vorzustellen.

Der größte Teil der mehr als 90 Millionen Euro an Anlegerkapital ist weg

Zuvor war den Anleger in einer Informationsveranstaltung dargelegt worden, dass wohl der Großteil des Anlegerkapitals nicht zurückgezahlt werden kann. Viele der von der EURO GRUNDINVEST beworbenen Investmentprojekte kamen nicht über die Planungsphase hinaus, selbst die fertiggestellten Objekte führten zu teilweise massiven Verlusten, die Verwertung der Immobilien auf Mallorca ist ebenfalls noch nicht gesichert.

Damit bestätigen sich die Rechercheergebnisse der Rechtsanwälte Lachmair & Kollegen, die bereits im Frühjahr 2014 darauf hingewiesen hatten, dass den mehr als 90 Millionen Euro, die die EGI – Gruppe von den Zeichnern der Fonds und Genussrechte eingesammelt hatte, viel zu wenig nachweisbare Immobilienprojekte gegenüberstanden.

Wie sich aus der Präsentation der KRG ergab, sind Projekte wie das RÖMER 22 in Gilching, das Projekt NYMPHENBURG–PALAIS in der Volpinistrasse und die Entwicklung des Bauerwartungslandes „Schlechtfeld“ in Feldmoching im frühen Stadium gescheitert, ohne dass es je zu einem Baubeginn gekommen wäre. Die Folge sind angebliche Verluste in Millionenhöhe, welche u.a. mit hohen Planungs- und Nebenkosten, etwa für beauftragte Architekten, Makler etc. begründet werden. Eine transparente nachvollziehbare Aufstellung dieser Kosten gab es nicht.

Auch mit den tatsächlich in München fertiggestellten Objekten wie dem ATRIO in Karlsfeld oder dem JACOBI-PALAIS in Bogenhausen wurde kein Gewinn erwirtschaftet. Gerade über letzteres hatte die Kanzlei Lachmair & Kollegen immer wieder berichtet. Nach erheblichen Verzögerungen, aufgetretenen Bauschäden und wechselnden Baufirmen konnte die ansehnliche Stadtvilla Anfang 2016 fertiggestellt und mittlerweile auch verkauft werden. Die Vertreter der EGI gehen alleine bei diesem Projekt von einem Verlust von mehr als 2 Millionen Euro aus.

Millionen-Risiko Mallorca-Immobilien

Als größtes Risiko müssen aber die Immobilienprojekte auf Mallorca gelten. Obwohl sich nur ein kleiner Teil der Anleger bewusst für eine Beteiligung an der EGI 20 GmbH & Co. KG und damit für eine Investition in Immobilien auf Mallorca entschieden hatten, sind fast 25 Millionen Euro in den Bau zweier Villen und des Condo-Hotels PORTALS HILLS investiert worden. Das Kapital stammte größtenteils von den anderen EGI – Fonds, daneben wurden offenbar 4 Millionen Euro von Malte Hartwiegs „Karibikfonds“ Selfmade Capital 8 investiert. Bereits jetzt drohen Verluste in Millionenhöhe, ein Verkauf des Hotels ist ein Jahr nach der Inbetriebnahme noch nicht absehbar.

Im Rahmen der Präsentation konnten die Vertreter der EGI auch auf wiederholte Nachfrage keine Investmentprojekte nennen, die dem angeblich erfolgreich beendeten EGI 12 Fonds zuzurechnen gewesen wären.

Wie von den Rechtsanwälten Lachmair & Kollegen schon früher recherchiert, sind zudem rund 15 Millionen Euro an die polnische New Media Cooperation geflossen. Anstatt eines Pflegeheims wurde das Kapital in den Kauf von Gold investiert. Ein Teil davon wurde zwischenzeitlich auf Depots in Liechtenstein beschlagnahmt, mutmaßlich handelt es sich um den Preis für den Verkauf der EGI – Gruppe durch Malte Hartwieg. Über den tatsächlichen Stand der diesbezüglichen Eigentumsstreitigkeiten gab es seitens der EGI keine Auskunft.

Kaum konkrete Informationen zu den Aktivitäten der EGI nach dem Ausscheiden von Malte Hartwieg

Rechtsanwalt Stefan Forster von der Kanzlei Lachmair & Kollegen, die einen großen Teil der Anleger auf den Gesellschafterversammlungen in Freising vertraten: „Im Rahmen der Informationsveranstaltung hat die EGI erstmals einen groben Überblick über den aktuellen Stand der Investmentprojekte und Fondsaktivitäten gegeben. Wir sehen uns in unseren bisherigen Rechercheergebnissen vollständig bestätigt. Obwohl sich ein Eindruck gewinnen lässt, wie bei der EGI in den letzten Jahren gewirtschaftet wurde, gibt es nach wie vor keinerlei nachprüfbares Zahlenmaterial. Die gelieferten Informationen sind auch noch sehr ungenau und lückenhaft. So wurde beispielsweise nicht aufgezeigt, welche der verlustbringenden Aktivitäten und Ausgaben erst nach dem Verkauf der EURO GRUNDINVEST veranlasst wurden. Dasselbe gilt für die umfangreichen getätigten Immobiliengeschäfte. Es kann aus unserer Sicht nicht ausgeschlossen werden, dass auch nach dem Verkauf der EGI – Gruppe durch Malte Hartwieg noch weiteres Anlegergeld aus den Investmentobjekten gezogen wurde.“

Vorstellung der Eckpunkte für ein Liquidierungskonzept durch die EGI - Geschäftsführung

Im Anschluss an die Darstellung der aktuellen Situation schilderten die Vertreter der KRG ihre Überlegungen für eine Liquidation der gesamten EGI – Gruppe. Die Anleger sollten bis auf weiteres auf rechtliche Schritte gegen die EURO GRUNDINVEST verzichten und einer umfassenden Liquidation aller EGI – Gesellschaften zustimmen. In den nächsten Jahren sollten dann alle Assets verwertet und die Einnahmen an die Anleger ausgekehrt werden. Nach dem Verständnis der Rechtsanwälte Lachmair & Kollegen sollte es für die Zeichner aller Genussrechte und Fonds dieselbe Quote auf den angelegten Betrag geben. Für den Fall der Annahme es Konzepts wurde eine Sockelquote von jedenfalls 10 % des jeweiligen Anlegerbetrages in Aussicht gestellt, die ab dem 31.12.2017 wahrscheinlich ausgekehrt werden könnte. Sollte es zu höheren Verwertungserlösen oder Schadensersatzzahlungen etwa des Initiators Malte Hartwieg kommen, könnte sich die Rückzahlungsquote ggf. auch erhöhen.

Für die anwesenden Anlegeranwälte stellte dies jedoch keine akzeptable Grundlage für eine Zustimmung zu den Anträgen der EGI – Geschäftsführung dar. Rechtsanwalt Moritz Schmidt von der Kanzlei Lachmair & Kollegen: „Die von der EGI präsentierten Zahlen sind derzeit in keiner Weise nachprüfbar, auch das vorgestellte Sanierungskonzept ist aus unserer Sicht noch viel zu vage. Eine Zustimmung wäre nicht im Sinn der von uns vertretenen Anleger, die bis auf das überstürzte Ladungsschreiben bislang keinerlei Information hierzu von der EGI – Geschäftsführung bekommen haben.“

Große Mehrheit der Anleger gegen Anträge der EGI - Geschäftsführung

Wie nun fast zwei Wochen nach den Gesellschafterversammlungen feststeht, wurden die Anträge der EGI und damit das vorläufige Sanierungskonzept mit großer Mehrheit abgelehnt. Einzige Ausnahme bildete der EGI Deutschland 17 Private Placement Fonds, wo sich eine Mehrheit für die Bereitstellung einer Ersatzkomplementärin und einer Ersatztreuhänderin fand, die Liquidation aber ebenfalls abgelehnt wurde. Wegen der eher geringen Bedeutung des Fonds innerhalb der EGI – Gruppe dürfte dies aber ohne Auswirkungen sein.

Weitere Verhandlungen und Geltendmachung von Schadensersatz

Rechtsanwalt Stefan Forster von der Kanzlei Lachmair: “Wir gehen davon aus, dass die EURO GRUNDINVEST die Verhandlungen nun wieder aufnehmen wird. Mit der Unterstützung eines Großteils der Anleger konnten wir bereits im April und Mai die Ansetzung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung von der EGI – Geschäftsführung verlangen. Seitdem fanden auch konstruktive Gespräche mit dem aktuellen Management statt. Die kurze Vorlaufzeit und die Terminierung auf einen Wochentag in den Ferien legen aus unserer persönlichen Sicht nahe, dass mit den vorgelegten Gesellschafterbeschlüssen offenbar schnell vollendete Tatsachen geschaffen werden sollten. Die Ergebnisse der Abstimmungen haben eindrucksvoll gezeigt, was die Anleger von einer solchen Vorgehensweise halten. Wir werden für die von uns vertretenen Anleger weiter den Verhandlungsweg offen lassen. Gleichzeitig empfehlen wir, die bestehenden Schadensersatzansprüche gegen die Vertriebsgesellschaften und die Hintermänner um Malte Hartwieg im Rahmen einer Schadensersatzklage geltend zu machen. Aufgrund der bislang erzielten Erfolge erscheint es aus unserer Sicht nicht ratsam, darauf zu warten, dass die EURO GRUNDINVEST selbst nach mehreren Jahren noch gegen diese vorgeht.“

Kostenlose Erstberatung durch die Rechtsanwälte Stefan Forster und Moritz Schmidt