P & R Container - wenn der Vermittler die Freundschaft kündigt (04.04.2018)

Vermittler, Berater und Banken gehen gegenüber Anlegern in Deckung - Gespräche werden abgeblockt und Vertriebe verschwinden - Vertriebe wollen Anwälte der Anleger bestimmen - Entscheidung über Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen erfordert eingehende Beratung in jedem individuellen Fall

 

Nach dem ersten Schock über die Krise bei P & R werden viele Anleger in den letzten Tagen mit einer für sie unerwarteten Folge konfrontiert. Obwohl zuletzt ein Großteil der Container-Direktinvestments von der P & R in Grünwald direkt vertrieben worden war, gibt es zahlreiche Anleger, denen die Anlage durch eine Bank, einen Vertrieb oder einen freien Vermögensberater vermittelt worden sind. Während in guten Zeiten regelmäßig größter Wert auf engen und persönlichen Kontakt zu den Anlagekunden gelegt wurde, wird infolge der Krise vielerorts auf Distanz zu den eigenen Kunden gegangen.

 

Zahlreiche P & R Vermittler gehen in Deckung

RA Stefan Forster von der Kapitalmarktkanzlei Lachmair: "In den letzten Tagen berichteten uns zahlreiche Mandanten, dass sich der eigene Finanzberater gerade in der Not plötzlich feindselig verhält: Gespräche mit den Kunden werden plötzlich abgelehnt, die Firmenhomepage ist plötzlich nicht mehr erreichbar oder es wird eine Insolvenz der eigenen Vertriebsfirma angekündigt. Für den einzelnen Kunden mag dies nach Jahren persönlicher Betreung sehr enttäuschend sein, aus der Sicht der Vertriebe sind sie sich aber erst einmal selbst am nächsten. In der Branche herrscht eine große Angst, dass die vielen P & R Anleger Schadensersatzforderungen wegen fehlerhafter Beratung geltend machen könnten."

In der Tat wandten sich sofort nach dem Bekanntwerden der P & R Krise nahmenhafte, auf die Abwehr von Anlegerklagen spezialisierte Kanzleien direkt mit praktischen Tipps an die betroffenen Vertriebe: Die eigenen Kunden sollten zeitnah informiert werden, im übrigen nur die Kommunikation stark eingeschränkt werden. Auf keinen Fall sollte die Beratungssituation oder Vermittlungssituation mit dem Kunden reflektiert oder gar eigenes Fehlverhalten eingeräumt werden. Irgendwelche Dokumente sollten mit Verweis auf anwaltlichen Rat nicht herausgegeben werden. Kurzum, die Vertriebe sollen sich in Verteidigungsstellung bringen.

 

Nachweisbare verstöße gegen Aufklärungs- und Beratungspflichten führen zu Rückabwicklungsansprüchen

Rechtsanwalt Stefan Forster:"Ich halte dies, aus der Perspektive der Vertriebsseite gesehen, durchaus für legitim. Ganz persönlich halte ich nichts davon, bei jedem fehlgeschlagenen Invstment sofort dem Vermittler die Schuld zu geben, nachdem man unter Umständen jahrelang ein gutes Verhältnis hatte. Es kommt regelmäßig vor, dass der Mandant deshalb von einem Vorgehen gegen den Vermittler absieht oder wir eine einvernehmliche Einigung herbeiführen können. Je sorgfältiger und objektiver ein Kunde beraten wurde, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass dieser später Schadensersatzansprüchen geltend macht. Vor allem wenn es im Vorfeld des Containerkaufs zu gröberen Pflichtverletzungen durch den Vermittler gekommen ist, können sich Anleger aber trotzdem zur Geltendmachung von Schadensersatz gezwungen sehen. Neben den Hintermännern der P & R kann in solchen Fällen Schadensersatz gegen den Vertrieb, den Vermögensberater oder die beratende Bank geltend gemacht werden."

 

Extremfall: Der Vermittler "verschwindet"

Immer wieder sind aber auch extremere Reaktionen zu betrachten: Einzelne Vermittler haben bereits vorbeugend die Insolvenz angekündigt, andere ihren Internetauftritt gelöscht und das Büro verrammelt. RA Moritz Schmidt von der Kanzlei Lachmair:"Ein solches Verhalten wirkt natürlich extrem unseriös. Wer sich angesichts der Not der betroffenen Anleger so verhält, muss sich nicht wundern, wenn die eigenen Kunden dann die eigene Beratungssituation besonders kritisch betrachten. Wer stets pflichtgemäß beraten hat, sollte solche Verdunklungsmaßnahmen nicht nötig haben."

 

Anleger wählen den Anwalt, nicht der Vertrieb

In anderen Fällen wurden Mandanten offenbar vom Vertrieb dazu aufgefordert, ganz bestimmte Anwälte zu bevollmächtigen. Für den Fall, dass dies nicht erfolge, würde der zukünftige Kontakt stark eingeschränkt. Welche Vorteile sich Vertriebe davon versprechen oder versprechen lassen kann offen bleiben. RA Stefan Forster: "Auf Seiten des Anwalts droht hier eine schwere Interessenkollision, wenn es sich beim Vertrieb - etwa infolge einer abgeschlossenen Vermögenshaftpflichtversicherung - um den einzig verbliebenen solventen Anspruchsgegner handeln. Es ist aus meiner Sicht fraglich, ob der Anleger dann völlig unbefangen auch in dieser Richtung beraten werden kann. Ein Anwalt sollte stets vollständig im Lager des Anlegers stehen. Die Vertretung widerstreitender Interessen kann sogar zum Verlust der Anwaltszulassung führen." 

Ob eine Geltendmachung von Schadensersatz im konkreten Fall auch gegen den Vertrieb oder die beratende Bank in Frage kommt, muss im konkreten Einzelfall in Rahmen einer ausführlichen Beratung mit einem fachkundigen Anwalt geklärt werden. Stets kommt es dabei auf die individuellen Umstände der Zeichung und des Anlegers auf der einen Seite, das Prozess- und Vollstreckungsrisiko auf der anderen Seite an. Gerade in Fällen der vorhersehbar fehlenden wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit oder beim Direkterwerb des Containerinvestments kommt ein Vorgehen auch gegen die verantwortlichen Hintermänner bei der P & R - Gruppe in Betracht. Sollten sich die Vorwürfe eines Schneeballsystems bewahrheiten, können auch nicht von der aktuellen Insolvenz betroffene Personen und Gesellschaften bei der P & R für eine vollständige Rückabwicklung des Containerinvestments zur Verantwortung gezogen werden. In diesem Fall wären auch die betroffenen Vermittler von der P & R hinters Licht geführt worden.

 

Betroffenen Anlegern wird dringend empfohlen, sich in dieser Sache qualifiziert und unabhängig beraten zu lassen. Mit Rechtsanwalt Moritz Schmidt und Rechtsanwalt Stefan Forster stehen zwei auf die Vertretung von Kapitalanlegern spezialisierte Fachanwälte für Bank- und Kapitalmarktrecht zur Verfügung, die sich in den letzten Jahren wesentlich um die Aufklärung von Großschadensfällen und Kapitalanlagebetrug verdient gemacht haben.

 

Kostenlose Erstberatung: info@ra-lachmair.de

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