EuropLeasing AG

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EuropLeasing - "Marktführer" ohne Umsätze

Dramatische Planabweichungen bei Umsatz und Entwicklung - Anlegergelder massiv gefährdet - Problematische Refinanzierung - negative Presse seit 2000 - Irreführender Vertrieb


München, 09.01.2006; Schlechte Nachrichten bringt unsere erste Veröffentlichung in diesem Jahr für die Vermittler und Zeichner der EuropLeasing AG und deren Fond-Tochter EuropLeasing AG & Co. Financial Solutions AG. "Marktführer" wollte man werden auf dem Gebiet des IT- und Kommunikationsgüterleasings. Stattdessen steht nichts weniger als der vollständige Verlust der Anlegergelder zur Debatte, wenn stimmt, was etwa der Branchendienst k-mi oder Insider des Unternehmens berichten. Danach sieht es mit den erzielten Leasingumsätzen gar nicht gut aus. Statt geplanter mehr als 100 Mio. Euro an Leasingumsätzen weist die Bilanz für 2004 nur weniger als 4 Mio. Euro aus, und von denen seien gerade einmal etwa 350.000,00 Euro auf tatsächliches Neugeschäft zurückzuführen. Der Grund ausweislich uns vorliegender Informationen: Rückfragen von Banken und potentiellen Kunden nach Bonität und Referenzen können nicht zufriedenstellend beantwortet werden und führen meist zum Scheitern des Geschäfts.

Gezielte Risikoverharmlosung
Etwas überraschend ist dies, wenn man die vollmundigen Werbeaussagen zum aktuellen Angebot der Leasingspezialisten ließt. Da ist von einer "renditestarken Anlage mit geringem Risiko" (Franziska Stark) oder der Bewertung "Hohe Sicherheit bei hoher Rendite" (Bauchfinanz) die Rede - Behauptungen, die angesichts der Nachrichtenlage und der veröffentlichten Zahlen als äußerst gewagt zu bezeichnen sind. Ein Fondtest der Rating-Agentur "Check" weist zwar bei Rendite und Sicherheit hervorragende Werte aus. Und der Vorsitzende des Aufsichtsrats, ein gewisser Rechtsanwalt Herbert Friedrich, preist das Angebot als "rentable Beteiligung an einem Leasingfonds". So genau können die Verantwortlichen für derartige Urteile aber nicht hingesehen haben. Was bei Friedrich noch verständlich ist und auch haftungsmäßig kaum noch etwas verschlimmern kann.

Für die Vermittler sieht das bedenklicher aus. Sie haben sich nach Lage der Dinge mit enormen Haftungsrisiken auseinanderzusetzen, zumal ihnen der BGH die konsequente Auswertung der Fachpresse als Pflichtprogramm auferlegt hat (Urteil vom 18.04.2005, II ZR 197/04). Nicht zu unrecht, sind sie es doch, die häufig nur allzu bedenkenlos zweifelhafte Angebote mit zweifelhaften Argumenten an den Kunden bringen. Denn nach allem, was sich jetzt herausstellt, sind die Umtriebe der EuropLeasing nach unserer Einschätzung als kriminell zu bezeichnen. Die Hamburger Staatsanwaltschaft soll schon ermitteln.

Negative Presse - massive Abweichung von Umsatzprognosen
Bereits seit 5 Jahren ist die Unternehmensgruppe den Angriffen der Wirtschaftspresse ausgesetzt. Hauptkritikpunkt war in der Vergangenheit das massive Abweichen der prospektierten Zahlen von der tatsächlichen Entwicklung. Und dabei geht es nicht nur um geringfügige Beträge. So wunderte man sich beim Branchendienst k-mi, dass von den für 2002 für die EuropLeasing AG prognostizierten Leasing-Erlösen von 45,5 Mio. Euro lediglich Erlöse von ca. 3,6 Mio. Euro erzielt wurden. 2004 sollten die Leasingerlöse bei 102 Mio. Euro liegen, während tatsächlich nur ein Umsatz von 3,95 Mio. Euro erzielt wurde. Eine Zielerreichung von stolzen 2,5 %, immerhin. Gleichwohl verweist man seitens des Unternehmens und der Vermittler auf die "seit mehreren Jahren erfolgreich im Leasing-Geschäft tätige" EuropLeasing AG und stellt sie damit als besonders geeignet für die Funktion der geschäftsführenden Komplementärin der Nachfolgegesellschaft EuropLeasing AG & Co. Financial Solutions KG heraus. Womit man wohl den Bock zum Gärtner macht.

Offenbar mit durchschlagender Wirkung. Denn auch bei der Nachfolgegesellschaft geben die bis heute veröffentlichten Zahlen höchsten Anlass zur Besorgnis. Im Prospekt vom April 2004 der KG wurde von einem Leasing-Erlös für 2003 von 2,7 Mio. Euro ausgegangen. Der Forderungsverkauf, quasi das eigentliche Geschäft der Gesellschaft, war mit 20 Mio. Euro angegeben. In Höhe von 6,7 Mio. Euro sollten Abschreibungen getätigt werden. Für 2004 wollte man Erlöse aus dem Forderungsverkauf in Höhe von 60 Mio. Euro erzielen, ferner sollten über 24 Mio. Euro auf Abschreibungen entfallen, die Leasing-Erlöse waren mit 22 Mio. Euro angegeben.

Tatsächlich betrugen die Umsatzerlöse 2004 laut überarbeitetem Prospekt vom Juli 2005 lediglich 47.498,96 (Siebenundvierzigtausendvierhundertachtundneunzig) Euro. Abschreibungen erfolgten in Höhe von 737.201,02 Euro und dies bei erbrachten Kommanditeinlagen von immerhin fast 3,16 Mio. Euro. Wer hier noch Prozentquoten ausrechnen will, braucht einen Taschenrechner mit vielen Stellen hinterm Komma. Und es scheint so zu sein, wie es aussieht. Das Geld der Anleger wird vernichtet, wobei der Verdacht der Untreue und des Betruges nahe liegt.

Fragwürdige Mittelverwendung
So lagen die betrieblichen Aufwendungen in 2004 bei immerhin 2,184 Mio. Euro. Letzteres entspricht in etwa auch den Zahlen im Prospekt, steht aber nun in keinem Verhältnis mehr zu den Umsatzzahlen. Zumal es sich dabei im Wesentlichen um Zahlungen an die EuropLeasing AG im Rahmen der Kostenerstattung für die Geschäftsführung und Verwaltung gehandelt haben soll. Außerdem gibt es noch in der Bilanz ausgewiesene Verbindlichkeiten gegenüber der EuropLeasing AG in Höhe von 1,252 Mio. Euro.

Zahlen nach unten korrigiert
Im überarbeiteten Prospekt von 2005 hat man die Prognosen für 2004 und die Folgejahre deutlich nach unten korrigiert und vorsorglich an das Jahresergebnis 2004 angepasst, wenngleich die Kostenerstattung gegenüber der EuropLeasing AG davon kaum betroffen ist - wohl weil das Geld dort dringend gebraucht wird. Im Prospekt von 2003/2004 war noch ausgeführt, dass die Kostenerstattung an die AG entsprechend der Geschäftsentwicklung budgetiert sei. Auf diesen Satz verzichtete man dann im überarbeiteten Prospekt von 2005 vorsorglich.

Damit korrespondiert dann auch eine Änderung des Mittelkontrollvertrages zum Nachteil der Anleger, über die in k-mi 35/05 berichtet wird. Danach können die Gelder nunmehr freigegeben werden, wenn

"die abgeforderten Beträge die Werte der Prognoserechnung des Prospektes oder eines von der Gesellschaft genehmigten abweichenden Budgets für das jeweils laufende Geschäftsjahr nicht übersteigen."

Darauf ist die EuropLeasing AG, die aufgrund der fehlenden Umsätze und Einnahmen in einer erheblichen Liquiditätskrise steckt, wohl auch dringend angewiesen. So sollen im Herbst 2004 Zahlungen in Höhe von 450.000,-- Euro als so genannte "gewinnunabhängige Entnahmen" an ihre atypisch stillen Gesellschafter angestanden haben, die bereits unruhig geworden waren. Als sich diese nicht mehr beruhigen ließen, wurden nach unseren Informationen die laufenden Einzahlungen der Kommanditisten der Financial Solutions KG, bei der die laufenden Einzahlungen nun fließen, unmittelbar zur Bedienung der atypisch stillen Gesellschafter der AG herangezogen. Eine aus unserer Sicht klar zweckwidrige Mittelverwendung, die durch die Änderung des Mittelkontrollvertrages ermöglicht wurde.

Liquiditätsschwierigkeiten der KG sind vorprogrammiert. Hinzu kommen die bisherigen strukturellen Defizite, an denen schon viele Vertragsabschlüsse gescheitert sind. Die Bonität wird durch solche Aktionen nicht verbessert. Nach uns vorliegenden Informationen ist die Gruppe schon heute nicht in der Lage, Leasinggeschäfte in größerem Umfang zu refinanzieren und die damit verbundenen zwingenden Abschreibungen bilanziell zu verdauen. Deshalb musste angeblich schon ein vom Vertragspartner verbindlich unterzeichneter Leasingvertrag in Millionenhöhe abgelehnt werden. Andere Geschäfte sollen an Dritte weitergereicht worden sein - langfristiger Umsatz gegen eine einmalige Provision. Das Finanzgebaren erinnert stark an die Praktiken der Göttinger Gruppe (Langenbahn und Securenta). Beste Voraussetzungen also für die angeblich geplante Gründung einer dritten Fondsgesellschaft.

Trübe Aussichten für die Anleger
Anleger müssen daher ernsthaft befürchten, dass ihr Geld vernichtet wird. Der Aufbau des in den Prospekten dargestellten Leasinggeschäfts, dessen Umfang es ermöglicht, Kapital und vermeintliche Rendite wieder zu erwirtschaften, steht in weiter Ferne. Sofern man nach allem, was bisher bekannt wurde, nicht ohnedies annehmen muss, dass das Unternehmen endgültig gescheitert ist.

Eine Inanspruchnahme der Gesellschaft dürfte allenfalls zu einer Begrenzung des Schadens führen. Die Mittel sind ja schon vernichtet. Die Schadenersatzpflicht der verantwortlichen Vorstände und wohl auch des Aufsichtsrates liegt nahe. Und in der Haftung stehen auch die Vermittler. Hier bestehen ganz klare Aufklärungs- und Beratungspflichten, die bei Verletzung zu Schadensersatzansprüchen führen. Die Mittelverwendungskontrolle, eine hohe Rendite und die Sicherheit der Anlage werden in den Angaben der diversen Vermittler ausdrücklich betont. Ohne tatsächlichen Hintergrund, wie mittlerweile klar ist. Die Folge ist eindeutig. Ob den Anlegern allerdings damit ein leistungsfähiger Haftungspartner erwächst, ist im Einzelfall zu prüfen.