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Wilhelm Lachmair & Kollegen

Rechtsanwälte - Fachanwälte

Proven Oil Canada - trau schau wem

Das ist der erste Prospekt der POC

Undurchsichtige Hintergründe - Keine belastbaren Bilanzen - Versteckspiel mit der Presse - Wer steckt hinter den Geschäften - Anlegerkapital gefährdet?

München, 11.03.2014; Die Wirtschaft zieht weltweit an und damit, so sollte man meinen, die Ölnachfrage. Gute Zeiten für entsprechende Rohstoffbeteiligungen also? Nicht ganz, jedenfalls für die 14.000 Anleger, die sich an den diversen Fonds der Proven Oil Canada beteiligt haben. Die müssen sich nämlich gerade mit der Mitteilung auseinandersetzen, dass die durchaus üppigen Ausschüttungen von 12% zunächst einmal nicht mehr fließen. Angeblich sei ein Kursverfall der von ihr produzierten Ölsorte Edmonton Light verantwortlich, wobei diese Angabe überrascht. Zwar ist der Kurs den üblichen Schwankungen unterworfen, aber keineswegs substantiell zurückgegangen. Das lässt den Schluss auf andere Gründe zu.

Der Vorwurf eines Schneeballsystems liegt nicht fern, da nicht auszuschließen ist, dass die "Ausschüttungen" tatsächlich niemals erwirtschaftet wurden, sondern aus der Substanz gezahlt werden. Überraschend sollte die Entwicklung nicht sein, wird doch seit geraumer Zeit in der Presse vor den Beteiligungen gewarnt. Und die Vorwürfe haben es in sich, zumal sie nicht mit aussagekräftigen Zahlen gekontert werden. Stattdessen stehen unwidersprochen Beziehungen zu dem Altmeister der Anlegerschädigung Jürgen Hanne im Raume, die die Wirtschaftswoche aufgedeckt hat. Die Düsseldorfer Journalisten dürfen die Fonds mit dem Segen des Landgerichts Hamburg als „Abkassiermodell“ betiteln.

So sind auch die Prospekte in entscheidenden Fragen inhaltsleer. Während man über das Risiko deliktischer Handlungen von Vertragspartnern aufgeklärt wird, erfährt man erst einmal so gut wie nichts über diese. Kanada und der Erdölmarkt sowie dessen Gegebenheiten werden umfassend dargestellt, über die Unternehmen, mit denen man es zu tun haben wird, ist so gut wie nichts gesagt. Insbesondere über die tatsächlichen Hintergründe der Conserve Oil, deren Kapitalisierung und handelnde Personen erfährt man nichts. Das macht wohl auch Sinn, denn was die Wirtschaftswoche zu dieser Firma ermittelt hat, verheißt nichts Gutes. Wer sich als Anteilseigner hinter der Gesellschaft verbirgt, wird offenbar bewusst verschwiegen. Dazu passt, dass sich die behaupteten Investments weder betrags- noch ertragsmäßig spezifizieren und verifizieren lassen. Ein entsprechendes Gutachten, das angeblich auch zu Fragen des Marktwerts eingeholt wurde, bleibt sinnigerweise geheim.

Klein-Klein der 25.000 € Gesellschaften

Fazit: Man muss glauben, was die Initiatoren behaupten. Betrachtet man die Gesellschaften aus der Nähe, wird schnell klar, dass hier nicht ein DAX-Unternehmen sie Fäden zieht, sondern man sich schnell im Klein-Klein von 25.000 €- Gesellschaften und von Organisationen mit verborgenen bzw. schwer ermittelbaren Hintergründen wiederfindet. Wer z.B. hinter der Conserve Oil Corporation, an der sich die Fonds beteiligen sollen, steckt, bleibt im Verborgenen und wird auch im Prospekt nicht erwähnt. Dabei wäre es durchaus interessant, wer mit welcher Kapitalausstattung hinter dem Unternehmen steht, an das die Mittel letztlich fließen. Diese Gesellschaft übt ja maßgeblichen Einfluss auf die gesamte Konzeption aus, ihr gehören beispielsweise die Anteile an der deutschen Vertriebsgesellschaft, der POC GmbH mit Sitz in Berlin.

Präsident der Conserve Oil ist ein gewisser David W. Crombie, die Gesellschaft wurde 2005 gegründet und habe 12 Mitarbeiter sowie 25 weitere, die für eine „Little Dipper Holdings Ltd. arbeiteten. Das ist ein aktives Unternehmen, das sich dem Altölrecycling und der Entsorgung von Gebrauchtfiltern verschrieben hat, also durchaus einem seriösen Gewerbe nachgeht. Diese Beschäftigten kann man daher kaum den Aktivitäten der Conserve Oil zurechnen, sodass sich die Frage nach deren Hintergründen verschärft stellt. Bleiben also 12, einschließlich Führungskrräfte.

Die gegenüber den kanadischen Behörden angegebene Homepage enthält außer einem kleinen Einführungstext und der Adresse nichts. Zahlen und Bilanzen sucht man vergeblich, nicht einmal das Eigenkapital ist bekannt oder wird genannt. Transparenz geht anders. Wenn man heute entscheiden soll, wem man sein Geld anvertraut, dann sollten diese Umstände durchaus Berücksichtigung finden.

Massive Zahlungsprobleme

Wie berechtigt diese Bedenken sind, zeigt der Umstand, dass es nun offenbar erforderlich wurde, dass man die zwischenzeitlich acht Gesellschaften teilweise zusammenlegen musste, um teilweise Ölquellen zu verkaufen. Dabei scheint es nicht wirklich um die Konzentration auf Kernfelder gegangen zu sein, da diese wohl ebenso zum Verkauf anstehen, wie die Wirtschaftswoche zu berichten weiß. Wobei dieser Verkaufsversuch bislang noch nicht vom Erfolg gekrönt war.

Womit wir wieder am Anfang stehen. Niemand weiß, was Conserve Oil und die einzelnen Investitionsgüter wirklich wert sind und welche Erträge bislang erzielt wurden. Berechtigte Interessen, die eine solche Geheimniskrämerei rechtfertigen könnten, sind weit und breit nicht erkennbar. Wo die investierten 300 Millionen Euro der Fonds sind, erschließt sich nicht. Wir können deshalb investierten Anlegern nur raten, Möglichkeiten zum Ausstieg zu prüfen. Hier sehen wir gute Chancen, Haftpflichtansprüche geltend zu machen. Zunächst allerdings müssen erst einmal belastbare Zahlen her.

Auch Vertriebshaftungsansprüche sehen wir im vorliegenden Fall, zumal schon die Prospektierung massive Fragen aufwirft. Gerne beraten wir Sie in dieser Angelegenheit. Wenden Sie sich dazu an Herrn Rechtsanwalt Lachmair.