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Pionier AG - bei Anruf Abzocke
Undurchsichtiges Schweizer Unternehmen preist mit klassischer Kaltakquise "Vermögensverwaltung" an - intransparente Gestaltung - keine nachvollziehbaren Angaben zu Broker und Strategie
München, 22.03.2006; Ein neuer "Star am Börsenhimmel" leuchtet im schönen schweizerischen Luzern: Eine "Pionier AG" wendet sich an "Selbständige, kleine, mittelständische und Großunternehmen, wie aber auch an Industriekonzerne, Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte Steuerberater etc.". Sie alle sollen von dem "mehrfach ausgezeichneten Börsenhändler" Fabio S. betreut und zu Reichtum und Glück geführt werden. Und das ausschließlich mit "amerikanischen Aktien und Optionshandel". Dies lässt Schlimmes erwarten. Nach unserem persönlichen Eindruck müssen wir davon ausgehen, dass die zahlende Kundschaft wieder einmal mit vermeintlich chancenreichen, tatsächlich aber wertlosen Titeln "versorgt" oder mit Derivaten über den Tisch gezogen werden soll.
Alter Wein in alten Schläuchen
Das Ganze ist nicht neu und kommt immer wieder einmal auf den Tisch. Wir erinnern uns etwa an die Chartwell Securities, die Wellshire oder die WIB-Angebote der 80er Jahre. Im Inland sind derartige Angebote seit geraumer Zeit nicht mehr möglich, da die Vermittler von Aktien und Optionen einer Erlaubnis der BAFin bedürfen. Eine Ausnahme bildete bis vor Frühjahr letzten Jahres die Phoenix AG, die tatsächlich über eine entsprechende Genehmigung verfügte. Da dies für die meisten derartigen Anbieter keine Alternative ist, weil sie weder die finanziellen noch die know-how-mäßigen Hintergründe besitzen, spricht man die Kundschaft jetzt aus dem Ausland an, hier aus der Schweiz.
Die Hintergründe der Pionier AG sind mehr als dubios. Zwar verweist man auf eine 60-jährige Historie. Doch heißt das nichts anderes, als dass der Firmenmantel schon seit diesem Zeitraum besteht. Seit Mai 2005 sei man unter "deutscher Leitung". Dies dürfte der tatsächliche Beginn der Aktivitäten auch nach Deutschland hinein sein. Die Website ist noch "im Aufbau", wesentliche Informationen wie etwa ein Impressum werden vorenthalten. Unter "unsere Partner" findet man - nichts. Schon gar nicht Angaben über etwaige Brokerverbindungen, das Grundkapital oder etwaige Verantwortliche des Unternehmens.
Als Verwaltungsrat fungiert ausweislich des "Schweizerischen Handels-Amtsblattes" ein gewisser Kurt Launert. Der war zuvor bei einer Firma KJL Management AG im schweizerischen Cham tätig. Diese wiederum fiel im Februar 2005 in Insolvenz. Ob das eine Empfehlung ist, sei dahingestellt. Über den "mehrfach ausgezeichneten" Trader S. war in Erfahrung zu bringen, dass er bis 2000 bei einer Firma Kendall, ebenfalls mit Sitz im schweizerischen Cham, tätig war. Die Firma wurde schon 2000 aufgelöst. Was er seitdem getan hat, ist nicht nachvollziehbar.
Vage Angaben - platte Anmache
Wer sich auf die Kaltakquise bereit erklärt, sich Unterlagen zusenden zu lassen, erhält zunächst einmal ein lose geheftetes Konvolut aus mehreren Blättern, in denen sowohl die derzeitige Marktsituation als auch "Anlagekonzepte" dargestellt werden. Dies natürlich auch inkl. sogenannter "Strategievarianten", wobei es sich allerdings um nichts anderes handelt, als um Versatzstücke aus dem Börsenlexikon. Selbstverständlich erhalte jeder Kunde ein auf seinen Namen lautendes Konto. Wo das geführt wird und wer ggf. die Rolle des Brokers übernimmt, wird mit keinem Wort verraten. Solche Details entnimmt man auch nicht dem Internetauftritt des Unternehmens.
Schon beim Akquisitionsgespräch wird man befragt, ob man etwa 20.000 bis 50.000 € erübrigen könne. Auf Nachfrage heißt es, derzeit laufe Zucker besonders gut. Nach etwa einer Woche erfolgt ein weiterer Anruf, und wieder ist es Zucker, der gerade (immer noch) die besten Einstiegsvariationen biete. Auf die Frage, wo der denn gehandelt werde, heißt es "in Amerika". Welche Börse, welcher Broker - auf Beantwortung dieser Fragen darf man nicht hoffen. Statt dessen: Was passiert, wenn der Zucker nur um 2 Punkte steigt ... . Und auf die Nachfrage, es gebe ja auch Aktien, welche das denn wohl seien, verfällt der eloquente Verkäufer dann vollends in Schweigen.
Exorbitante Kosten
Dass die "Betreuung" durch den preisgekrönten Trader S. nicht billig sein kann, hat man schon geahnt. Auf entsprechende Nachfrage ist von einem Agio in Höhe von stolzen 12 % die Rede. Sonst fiele nichts an. Auf weitere Nachfrage werden dann Round-Turn-Kommissionen von sagenhaften 160 $ - wohl pro Kontrakt - genannt. Das ist fast doppelt soviel, wie die Abzocker im Inland zuletzt berechnet hatten. Aber es wird wohl alles teurer - und die hatten ja auch keinen Supertrader dieser Klasse.
Wir raten von einer Investition dringend ab. Denn dass hier tatsächlich eine seriöse und chancenreiche Vermögensverwaltung beabsichtigt ist, können wir uns nach unseren bisherigen Erfahrungen mit derartigen Unternehmen und den geschilderten personellen Hintergründen beim besten Willen nicht vorstellen. Wenn Empfehlungen ausgesprochen werden, sollte man diese auf jeden Fall nochmals über die eigene Hausbank hinterfragen. Die Chance, dass hier so genannte "Non-Valeurs" in den Markt gedrückt werden sollen, ist nämlich nach unserer Überzeugung im vorliegenden Fall extrem hoch.
Und: - Zucker läuft nach unserer Einschätzung momentan gerade nicht, aber man kann ja nie wissen ...
Nach allem raten wir zu äußerster Vorsicht. Lieber eine verpasste "Chance" als ein sicherer Verlust.
