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Große Durchsuchungsaktion - vier vorläufige Festnahmen - Verdacht des Betruges im großen Stil - tausende geschädigte Beteiligte und Aktionäre
München, 06.06.2006; Das Böse haust auch in Bayern, da wo es am schönsten ist. Im idyllischen Neubeuern am Ufer des Inn brach Mitte der Woche hektische Betriebsamkeit aus. 200 Umzugskartons an Geschäftsunterlagen stellte die Kripo Ebersberg im Rahmen einer Durchsuchungsaktion in den Räumen der Akzenta-Gruppe sicher. Und dazu auch gleich die Firmenleitung. So wurden der Vorstandsvorsitzende Ulrich Chmiel sowie drei weitere Vorstandsmitglieder auch gleich mitgenommen. Es besteht nach Mitteilung der Polizei der dringende Tatverdacht des Betruges gegenüber Tausenden von Geschädigten.
Undurchsichtiges Geschäftsmodell
Die Akzenta AG mit Sitz in Neubeuern bei Rosenheim betreibt seit Ende der 90er Jahre vor allem das überaus ehrgeizige Modell der "Umsatzbeteiligung". Die Kunden können ein von den sogenannten "Aktivpartnern" der Akzenta AG angebotenes Produkt zu einem Preis von mindestens 10.000,-- Euro erwerben. Die "Aktivpartner" zahlen an die Akzenta AG eine Provision, dafür werden dann die Kunden an dem zukünftigen Umsatz der Akzenta AG beteiligt, der sich von Jahr zu Jahr erhöhen soll. Der Kunde soll so die Möglichkeit erhalten, etwa beim Erwerb eines Autos, bis zu 100 % des Kaufpreises innerhalb von 10 Jahren zurückzuerhalten. Der "Aktivpartner" soll u.a. davon profitieren, dass er weiterempfohlen wird und neue Kunden gewinnt.
Rätselhafte Duplexbeteiligungen - Schneeballsystem?
Natürlich musste man nicht grade ein Auto kaufen, um sich am unglaublichen Erfolg des Unternehmens beteiligen zu können. Zwischen 500 und 2.750 Euro konnte man im Rahmen sog. "Duplexbeteiligungen" direkt investieren. Damit sei man unmittelbar am Geschäftserfolg beteiligt. Wie das gehen soll, konkret, wie dieser Erfolg erzielt werden soll, ist allerdings so erklärungsbedürftig, dass schon seit 2002 diverse Presseorgane von Focus über markt intern bis hin zu Finanztest vor den Finanzjongleuren aus dem Landkreis Rosenheim warnen. Der Verdacht auf ein Schneeballsystem wird schon seit diesem Zeitraum geäußert.
Teilweise versuchte man den Umsatz dadurch zu erhöhen, dass man die Erträge garantierte - was prompt das Einschreiten der BAFin zur Folge hatte, die darin ein unerlaubtes Einlagengeschäft sah.
Aktionäre geschädigt?
Vor diesem Hintergrund steht auch die Ausgabe von Aktien an dem Unternehmen in einem höchst zweifelhaften Licht. So sollten im Vorfeld eines angeblich für 2004 geplanten Börsengangs Aktien im Rahmen eines sog. "Private Placement" unters Volk gebracht werden - die nun wohl ebenfalls wertlos sind. Alles offenbar vor dem Hintergrund, Gelder zur weiteren Anfütterung des Schneeballsystems zu ködern. Denn dass das Kerngeschäft der Akzenta AG, Händlern bei bereits ausverhandelten Preisen noch zusätzliche Rabatte in nennenswerter Größenordnung aus den Rippen zu schneiden, wirklich funktioniert, das glaubt wohl keiner so recht. Derartige Zusatzkonditionen sind im ohnehin schon harten Einzelhandelsgeschäft gerade mit hochpreisigen Gebrauchsgütern wie KFZ schon aufgrund der begrenzten Margen gar nicht möglich.
Auch an div. geschlossenen Fonds, unter anderem einem Dubai-Fonds, sollen die Verantwortlichen mitgewirkt haben, was vor diesem Hintergrund wenig verwundert. Der Geldbedarf war nach unserer Einschätzung enorm. Wobei es schon etwas ironisch ist, nach entsprechenden Geldquellen im Morgenland zu suchen.
Märchenhaftes Geschäftsmodell
So hatte das Geschäftsmodell schon immer etwas märchenhaftes. Es setzt ja nicht nur die Erzielung einer Provision, sondern auch deren Vermehrung in einem Umfang voraus, der wenig realistisch ist. Denn immerhin werden ja nach dem Modell 72 % der Umsätze, die im Wesentlichen aus den Provisionszahlungen bestehen, an die Kunden ausgeschüttet. Lediglich von den restlichen 28 %, von denen noch Kosten und Kommissionen abgehen, sollen dann Investitionen getätigt werden, die dann noch zu einer Wiedererlangung des Kaufpreises in einem überblickbaren Zeitraum führen sollten.
Wenig erstaunlich ist denn auch, dass sich die tatsächlichen Investitionen für diesen Zweck ausweislich der Bilanz 2004 bislang recht dürftig ausnehmen. Lediglich der neue Firmensitz im romantischen Neubeuern schlägt bei den Sachanlagen nennenswert zu Buche. Und bei der Durchsuchung sollen noch neue originalverpackte Markenwaren sichergestellt worden sein.
Da sich das Modell allein am Umsatz orientiert, muss dieser sich stetig erhöhen, es müssen also ständig und vor allem in immer höherer Zahl neue Kunden und "Aktivpartner" gefunden werden, deren Provisionszahlungen ja erst die Ausschüttungen ermöglichen. Kritische Stimmen, die den doch recht naheliegenden Vorwurf des unerlaubtes Schneeballsystems erhoben hatten, entgegnete man in der Vergangenheit, das System sei von den Behörden geprüft. Strafrechtliche Ermittlungen verliefen auch zunächst im Sande.
Vermittler in der Haftung
Wer vor diesem Hintergrund zu einem Zeitpunkt Akzenta-Beteiligungen oder Aktien vermittelt hat, zu dem die zitierte Presse schon warnte, dürfte in große Probleme kommen. Dies, zumal das Modell gerade angesichts der dargestellten Zusammenhänge auch erhebliche Plausibilitätslücken aufweist. Auch wenn die Schadenssummen aufgrund der Beschränkung der Beteiligungssummen eher niedrig sein dürften, ist es für Anleger auch wenig einsichtig, auf dem Schaden selber sitzen zu bleiben. Dabei hat sich die Rechtsprechung gerade im Hinblick auf die BGH-Urteile zur Göttinger Gruppe, die zum teil auch auf die Tätigkeit unserer Kanzlei zurückging, für die Geschädigten massiv verbessert.
Wir bleiben für Sie am Ball und werden Sie aktuell über die weitere Entwicklung informieren. Für Rückfragen stehen wir jederzeit zur Verfügung.
